Zwift ohne UI

Weiteres Event im Zwift Jarvis Club heute, dem exklusiven Kreis spezieller Zwift User, in welchem neue Features getestet werden: Ein „Sight and Sounds Tour“ Group-Ride über 60 Minuten auf dem Watopia Waistband Kurs geführt von „Jarvis the Bear“. Der entpuppte sich zwar nicht als der plumpe Braunbär, der auf Watopia ab und zu von einem Baum plumpst, sondern als simples Zwift HQ Member mit zotteliger Haarpracht, darum ging es aber auch nicht.

Getestet wurde ein Screen ohne UI, d.h. auf dem Bildschirm waren nur die Fahrer und die Landschaft zu sehen. Alle Daten außer den Fahrer-Namen über den Köpfen waren ausgeblendet: keine eigenen Daten, keine Riders List, keine Leader-Boards, keine Map, nichts. Für einen Daten-Junkie wie mich zunächst sehr ungewohnt. Dass man seine Daten über die Zwift App auf dem Handy trotzdem angezeigt bekommt, habe ich erst später bemerkt.

Interessant war, dass der Group-Ride mit einer Vorgabe von 2,5 w/kg ausgeschrieben war und dass meine Gruppe, wie sich im Nachhinein herausgestellt hat, tatsächlich durchgehend im Bereich 2,5 – 3 w/kg gefahren ist. Da im Jarvis Club nur erfahrene Zwift-User unterwegs sind ein Zeichen dafür, dass man seine Leistung bei entsprechender Erfahrung auch ohne Datenanzeige relativ genau einschätzen kann.

Ebenso interessant war, dass ich mich dabei ertappt habe, viel intensiver auf die virtuelle Landschaft und die vielen Details in der Zwift-Welt zu achten, die einem ansonsten nicht auffallen.

Fazit: Ein Fahren ohne UI kann sehr entspannt sein, ideal für eine Rekom-Einheit. Gleichzeitig fände ich das fehlende UI auch für Rennen auf Zwift interessant. Durch den Umstand, dass man die Leistungswerte seiner Konkurrenten und die Zeitabstände zu anderen Fahrern nicht sehen kann, käme man echten Outdoor-Rennen ein Stück näher.

Zwift Boost Mode

Die Indoor-Plattform Zwift testet im sogenannten Jarvis Club, benannt nach der ersten Zwift-Beta-Welt, neue Features für ausgewählte User wie mich, z.B. aktuell den „Boost Mode“, eine Art zusätzliches Power-Up. Man kann dabei während eines Rennens mit seiner eigenen Leistung, die kurzzeitig entsprechend reduziert wird, eine Art Akku aufladen und diesen bei Bedarf dann später einsetzen, um seine Wattleistung für kurze Zeit um 50, 200 oder 500 Watt zu erhöhen. Welchen Boost man haben möchte, muss man vor dem Rennen festlegen und der Aufwand sowie die Dauer der Zusatzleistung unterscheiden sich. Außerdem bekommt man unterschiedliche Zusatzgewichte für die gesamte Renndauer aufgepackt. Man muss sich also bereits vor dem Rennen Gedanken machen, welche der drei Boost-Varianten die Günstigste für einen ist.

Ich habe den Boost Mode heute in einem Jarvis Club Rennen über 10 Runden auf dem Downtown Dolphin Kurs einmal ausprobiert und mich dabei für die mittlere Boost-Variante mit 200 „Extra-Watt“ für jeweils 17 Sekunden und einer Reduzierung der eigenen Leistung um 100 Watt während des Aufladens entschieden. Für das beste Ergebnis ist natürlich Ausschlag gebend, dass man den idealen Zeitpunkt für das Aufladen und für den Einsatz des Boosts wählt und das Ganze noch in Verbindung mit den üblichen Power-Ups, die einem zusätzlich wie sonst auch zur Verfügung stehen. Kognitiv doch recht anspruchsvoll, wenn man an der Pulsobergrenze herumfährt. 😉

Während des Rennens habe ich dann festgestellt, dass es relativ einfach ist, im Flachen während eines Windschatten-Power-Ups den Boost aufzuladen und dass der Boost im Zusammenspiel mit einem Feder- oder Aero-Power-Up besonders wirkungsvoll ist. Demnach habe ich mir einen Aero-Power-Up, den ich bei der 6ten oder 7ten Zieldurchfahrt bekommen habe, aufgespart, die Maximalanzahl von zwei 200 Watt-Boosts bis zur letzten Runde aufgeladen und alles auf dem letzten Kilometer ausgelöst, was dann für Platz 2 in der B-Kategorie gereicht hat. 🙂

Fazit: „Echte“ Rennfahrer werden dem Boost Mode nichts abgewinnen, weil er ein taktisches Moment hinzufügt, dass es bei Outdoor-Rennen nicht gibt. Persönlich gefällt mit der Boost Mode jedoch ganz gut, weil damit nicht nur die reine w/kg-Leistung zählt, sondern auch geistige Fähigkeiten unter Maximalbelastung gefragt sind. Ich bin mir nicht sicher, ob ich diese Herausforderung in jedem Rennen auf Zwift haben möchte, aber gelegentlich auf jeden Fall.

GCA Liga – Race 1

Gestern fand das erste Wertungsrennen der „GCA Liga powered by Müller – Die lila Logistik“ statt, der virtuellen Rad-Bundesliga 2020 auf der Indoor-Plattform Zwift. Gefahren wurden 2 Runden auf dem „Sand And Sequoias“ Kurs mit 43 km und 338 hm. 363 Fahrer/innen waren am Start, darunter zahlreiche bekannten Namen aus der deutschen Straßen- und MTB-Szene. Nach der Meldeliste bin ich der mit Abstand älteste Teilnehmer der Rennserie. Hatte also nichts zu verlieren. 😉

Naja, Hauptmotivation war eigentlich, meinen Teamkollegen Patrick Rieger und Klaus Näher, zwei starken Mountainbikern des RSC AUTO BROSCH Kempten, zu Punkten zu verhelfen. Die gibt es für die ersten 75 Platzierten aber nur wenn mindestens 3 Teamfahrer ins Ziel kommen. Der Plan ging auf: Patrick finishte in der 33-köpfigen Spitzengruppe auf einem hervorragenden 19. Platz und auch Klaus kam trotz technischer Probleme als 69ter ins Ziel. Ich selber wurde – wie nicht anders zu erwarten – bereits nach 3 km in eine ca. 30-köpfigen Gruppe um Platz 200 distanziert. Kam mir aber nicht ungelegen, denn die Gruppe rollte mit 3 – 4 w/kg fast schon im Grundlagentempo durch die erste Runde.

In der zweiten Runde zog ich das Tempo in den Wellen im Titans Groove etwas an, wodurch die Gruppe auf etwa ein Dutzend Fahrer ausgedünnt wurde. Den Sprint der Gruppe konnte ich überraschenderweise selbstverständlich für mich entscheiden und landete auf Platz 179 (berichtigt:) 183 der Männer-Konkurrenz, war damit aber leider nur Zweiter der Masters 3 Fahrer. Patrick und Klaus sammelten aber soviele Punkte, dass es für den Top-Platz 9 (berichtigt:) 11 in der Teamwertung reichte.

Das Rennen wurde live im Internet übertragen und kommentiert von den Moderatoren Rick Zabel (Profi bei Israel Start-Up Nation) und Bastian Marks vom Besenwagen Podcast, die allerdings mit einigen Anlaufschwierigkeiten zu kämpfen hatten. Das nächste Rennen findet kommenden Samstag statt.