RGT – Friday Evening Masters Race

Vom aktuellen Indoor-Cycling-Boom profitieren neben dem unumstrittenen Platzhirsch Zwift auch die kleinen alternativen Plattformen wie z.B. RGT. Optisch sehr ähnlich mit animierten Avataren in animierten Computerwelten unterscheidet sich RGT von Zwift in einem entscheidenden Punkt: Es ist in der Basis-Version aktuell dauerhaft kostenlos. Dafür gibt es zwar nur gut eine Handvoll verschiedene Strecken, keine Belohnungen über Levels und nur ca. ein Dutzend Events pro Tag, aber die Software ist gratis und bietet eine automatische Exportfunktion zu Strava und Trainingpeaks. Der Strava-Export funktioniert bei mir aktuell zwar nicht, aber man kann sich die fit-Files der Aktivitäten per Mail zusenden lassen und muss sie dann halt manuell zu Strava hochladen.

Die Premium-Version von RGT für 8,99 EUR monatlich bietet u.a. zusätzlich die Möglichkeit, eigene gpx-Files zu RGT hochzuladen und diese Strecken nachzufahren. RGT baut dann eine Strecke mit der Länge und dem Höhenprofil der gpx-Datei und fügt eine virtuelle Umgebung hinzu. De Funktion nennt sich „Magic Roads“. Premium-User können darüber hinaus eigene Group-Rides und Rennen auf den RGT-Strecken oder beliebigen eigenen Strecken veranstalten. Eine Funktion, die bei Zwift nicht zur Verfügung steht bzw. sehr viel umständlicher zu handeln ist. Einige Renn-Organisatoren sind deshalb von Zwift auf RGT umgestiegen und deshalb finden sich dort immer mehr Rennen mit immer mehr Teilnehmern. Wer an solchen Rennen teilnehmen möchte, kann das in der kostenlosen Basis-Version tun.

Ich bin heute mal ein solches Rennen auf RGT mitgefahren. Ausgerichtet als „Friday Evening Masters Race“ der „British Masters Cycle Racing“, dem offiziellen Verband für Radrennfahrer/innen in Großbritannien ab 40 Jahre, der Rennen für Fahrer/innen in den Klassen A: 40-44 Jahre, B: 45-49 Jahre, C: 50-54 Jahre, D: 55-59 Jahre, E: 60-64 Jahre, F: 65-69 Jahre, G: 70-74 Jahre, H: 75-79 Jahre, I: 80-84 Jahre, J: 85-89 Jahre, K: 90-94 Jahre und L: 95-99 Jahre veranstaltet.

Knapp 60 Teilnehmer waren am Start und gefahren wurde auf einem überwiegend flachen Kurs mit 36 km und 124 hm, nachgebildet einer echten Strecke in der Nähe von Nottingham.

Auch RGT hat das Windschattenfahren in seiner Software implementiert, es funktioniert aber anders als bei Zwift und wie genau kann ich leider noch nicht sagen. Fakt ist, in einer größeren Gruppe ab 10 Fahrern kann man im flachen Gelände im Windschatten ohne nennenswerte eigene Leistung mitrollen. Man bekommt dann im Bildschirm oben links unter den eigenen Leistungs- und Pulswerten angezeigt, wieviel Watt man im Windschatten „einspart“ und das waren bei mir heute teilweise bis zu 600 Watt, selbst wenn ich selbst nur mit 300 Watt gefahren bin. Hmm, in der Realität draußen bleibe ich sicher nicht mit 300 Watt in einer Gruppe, wo der Führende 900 Watt tritt. Andererseits muss man ständig höllisch aufpassen, dass man nicht 2-3 Meter aus dem Windschatten fällt, denn dann ist die Gruppe sofort unerreichbar weg. Das wiederum ist sehr realitätsnah. Bei Zwift muss man im Vergleich mehr Watt treten, um in der Gruppe zu bleiben, fällt aber auch nicht so schnell aus der Gruppe heraus.

Bei RGT bekommt man gelegentlich auch Rotfarbene Wattwerte angezeigt, die bedeuten sollen, dass man eine nicht umgesetzte Leistung erbringt, weil man entweder nicht an einem vorausfahrenden Fahrer vorbeikommt oder weil die Strecke eine Kurve beschreibt und man deshalb automatisch heruntergebremst wird. Letzteres ist ja durchaus sinnvoll und verständlich, denn Kurven lassen sich bekanntlich nur mit einer begrenzten Geschwindigkeit durchfahren, warum mir aber gelegentlich rote Leistungswerte auf gerader Strecke im Feld angezeigt werden, habe ich bis jetzt noch nicht verstanden.

Wie auch immer, das Rennen war durchaus interessant. Nach 2 km wurde ein Teil des Feldes irgendwie fehlgeleitet und in der allgemeinen Verwirrung setzten sich 16 Fahrer ab, zu denen ich gerade noch Anschluss finden konnte. Einzelne Attacken verpufften, da sich die 20-köpfige Spitzengruppe dank der oben erwähnten exorbitanten eingesparten Wattwerte bei abwechselnder Führungsarbeit jeweils wieder problemlos heranfahren konnte. Am Ende lief es dann auf einen Sprint hinaus, in dem ich mich auf Platz 12 wieder fand. Leider hatte nur ein Teil der Fahrer seine Altersklasse im Namen angegeben, so dass die AK- Wertung unklar blieb.

Fazit: Rennen auf RGT sind eine echte Alternative zu Zwift. Man muss ständig aufmerksam sein und kann mit entsprechender „Draft-Erfahrung“ auf flachen Strecken auch mit leistungsstärkeren Fahrern mithalten. Allerdings gibt es keine Überprüfung der Plausibilität der Leistung der anderen Teilnehmer, wie auf zwiftpower.com. Wen das nicht interessiert und wer unabhängig von den Rennergebnissen nur seinen eigenen Leistungsfortschritt im Blickfeld hat, dem ist RGT auf jeden Fall zu empfehlen.

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