Dauertest CUBE Litening C:68 Race

Neuer Hobel im Dauertest: das 2020er CUBE Litening C:68 Race, CUBEs erstes Aero-Bike mit der SRAM Force eTap AXS Gruppe. SRAM Premiere für mich. In den 80ern bin ich Campagnolo am Rennrad gefahren und danach nur noch Shimano, SRAM bisher nur am MTB. Sehr gespannt war ich auch auf den Vergleich zu der elektronischen Shimano Ultegra Di2-Schaltung an meinem alten Rennrad und am Crosser.

Das Rad kam in RH 56 im Originalzustand mit ehrlichen 7,73 kg (ohne Pedale und Anbauteile) bei einer Werksangabe von 7,7 kg in der glänzenden grauen CUBE Team-Lackierung mit rot/blauen Akzenten, perfekt eingestellt von Wildrad in Wildpoldsried. Es sieht verdammt schnell und clean aus, nur die integrierte Lenker/Vorbau-Kombination wirkt auf den ersten Blick etwas klobig. Dafür sind an dem Rad überhaupt keine Kabel zu sehen. Nachteil der internen Kabelführung ist ein recht eingeschränkter Lenkereinschlag, d.h. der Wendekreis beim Rangieren ist groß. Im Fahrbetrieb wirkt er sich nicht aus.

Für die Schaltung gibt es eine SRAM AXS App. In der IOS-Version lassen sich damit die Akkustände der Schalthebel, des Umwerfers und des Schaltwerks auslesen, sowie die Funktionen der Schalthebel und die Schaltpräferenzen programmieren. Vorteil gegenüber der Shimano Di2: Die SRAM Komponenten kommunizieren direkt per Bluetooth mit dem Handy, während man bei Shimano noch das ca. 70,- EUR teure EW-WU111 Zwischenstück benötigt. Gleiches gilt für die Anzeige der Gangkombination auf dem Garmin oder Wahoo-Computer. Nachteil der SRAM AXS: Während man bei der Di2 nur einen Akku für das ganze System hat, dessen Ladezustand sich per Radcomputer oder mit einem Lämpchen an der Di2-Unit ablesen lässt, hat man bei der AXS vier Akkus: je einen in den Schalthebeln (Knopfbatterien) und je einen baugleichen für Umwerfer und Schaltwerk. Der Garmin bietet bei der AXS aber nur ein Datenfeld „Gangsensorbatterie“ an. Welcher Akku da genau angezeigt wird, weis ich noch nicht genau. Angeblich soll es jeweils der Akku mit dem geringsten Ladezustand sein. In den Sensoreinstellungen lassen sich unter Info alle vier Akku-Komponenten einzeln aufrufen. Hier steht bei mir aktuell unter Akkuzustand jeweils „Neu“. Das bedarf noch einer längeren Beobachtung.

In der Funktionsweise unterscheiden sich die SRAM- und Shimano-Schalthebel deutlich. SRAM ist simpel, Shimano komplizierter, aber dafür umfangreicher konfigurierbar. Was mir bei der SRAM nicht so gefällt, ist der Umstand, dass zum Wechsel des Kettenblatts beide Schalthebel gedrückt werden müssen. Bei Shimano reicht dafür ein Finger einer Hand aus. Was ich bei der SRAM auch sehr vermisse sind die Shimano-Buttons auf dem Höcker des Schaltgriffs. Da ich gerne mit den Händen auf den Bremsgriffen fahre, hatte ich mir bei der Di2-Schaltung das Rauf- und Runterschauten der Kassette zusätzlich auf die Buttons unter die Höcker gelegt, was ein schnelles Schalten durch bloßen Daumendruck ohne Veränderung der Griffhaltung ermöglicht. Bei der SRAM muss man immer mit dem Mittel-Finger auf der Schalthebel drücken. Dauert länger und ist umständlicher, aber letztendlich ein Luxusproblem. Was die Schaltperformance angeht, konnte ich bislang keinen großen Unterschied zwischen Shimano und SRAM feststellen. Shimano schaltet vielleicht einen Tick geschmeidiger.

Wie fährt sich das Rad? Geil-O-Mat. Das Teil rockt. Sehr steif aber nicht unkomfortabel. Jedes einzelne meiner kümmerlichen Watt scheint direkt in den Vortrieb zu gehen und bei höherer Geschwindigkeit jenseits der 30km/h rollt der Hobel bei gleicher Leistung einfach schneller. Bei der ersten Ausfahrt hat er gleich 8 KOMs abgegriffen. 🙂

Sehr angenehm zu greifen ist die 6 cm flache Auflage des Lenkers in der Oberlenkergriffhaltung. Die serienmäßigen Schwalbe Pro One TT Reifen in 25mm Breite sind zwar super leicht und rollen bombastisch, großes Vertrauen in die Pannensicherheit habe ich allerdings nicht. Hier werde ich wohl bald auf die 28mm Conti GP 5000 umrüsten, die gerade noch durch Gabel und Kettenstreben passen müssten. Die superleichten Newmen Advanced SL R.38 Carbon Laufräder kenne ich schon aus meinem Crosser und auch in diesem Rad bestätigt sich, dass leichte Laufräder beim Fahren und insbesondere beim Beschleunigen sehr viel mehr ausmachen als leichte Rahmen und sonstige starre Anbauteile. Der CUBE Natural Fit Nuance SLT Road Sattel fühlt sich überraschend angenehm an und bleibt erst mal dran. Die serienmäßige Garminhalterung für die Vorbau/Lenkereinheit ist so gestaltet, dass der Edge 530 perfekt auf gleicher Höhe wie der Vorbau sitzt. Leider lassen sich darunter keine anderen Tools (GoPro, Licht etc.) montieren.

12 Gedanken zu „Dauertest CUBE Litening C:68 Race“

  1. Guten Tag Sebastian ✌🏻

    Habe mir auch das Cube C68x Race bestellt. Ich könnte es in 58er oder 60er Größe nehmen. Bin 1,87m groß hab eine Schrittlänge von 88 cm. Bin ziemlich neu im Rennrad fahren. Aber es geht ein Kindheitstraum in Erfüllung. Was würdest du mir empfehlen. 58?

      1. Der Händler hat mir beide Größen reserviert. 58 und 60.
        ich konnte sein 2020 er Model in 58 fahren. Ich fand es super schnell. Hast du ein paar Tipps auf die ich achten sollte???

        Danke

        1. Bei mir waren die superleichten und schnellen aber auch entsprechend empfindlichen TT-Reifen drauf. Da hatte ich gleich einen Platten und hab deshalb auf Conti GP5000 in 28mm gewechselt. Die laufen bis jetzt tadellos. Und dann gab es einen Rückruf des Garminhalters. Da hab ich vom Händler einen stabileren bekommen, der eine Metallverstärkung integriert hat. Und dann würde ich mir gleich noch einen Ersatzakku für die Schaltung gönnen. Der passt an Schaltwerk und Umwerfer, ist klein und leicht, kann man zu Sicherheit unterwegs mitnehmen bzw. schnell wechseln, wenn man mal ein Akku unbemerkt leer gegangen ist.

          1. Ah so. Ne, da kann ich aus der Ferne nicht helfen. Da sollte der Händler unterstützen, oder Du machst ein Bikefitting.

  2. Hey Sebastian, genau wie du komme ich aus dem Allgäu. Interessiere mich derzeit für Rennräder der Marke Cube. Du kennst ja unsere Strecken hier (Riedbergpass, Jochpass, hügelig über Wiggensbach,Oy-Mittelberg&Co). Im Flachen oberschnell dahinballern ist nicht meins, trotz Triathlonvergangenheit. Was denkst du ist für unsere Gefilden besser geeignet? Das Litening oder doch das Agree? Im Urlaub fahren meine Frau und ich schon auch gerne mal Pässe und längere Anstiege. Ist aber natürlich eher die Ausnahme. Die Regel sind unsere Buckel hier. 🙂
    Freue mich sehr über deine Einschätzung und sage bereits Danke!
    Glg Max

    1. Hallo Max,

      das Litening ist zweifellos ein Rad zum „Ballern“, d.h. zum Schnellfahren im Flachen und „Drüberziehen“ über kleine Anstiege. Für alles Andere würde ich Dir im Allgäu eher das Agree empfehlen.

  3. Hi Sebastian,

    warum würdest du das „Agree“ empfehlen wenn es bergig wird?

    Da beide Räder gleich schwer sind, macht das doch eigentlich keinen Unterschied, oder?

    Da ich mich für das C68 Race interessiere und die Optik (keine Kabel, oder Leitungen) besser finde, wäre dies mein Favorit.

    Gruß
    Sascha

    1. Mit robusteren Reifen ist das C68 Race einen Tick schwerer, aber vor allem hat es einen kürzeren Radstand und eine kompaktere Sitzposition. Für Pässefahrten ist das Agree bergauf vielleicht etwas bequemer und bergab etwas laufruhiger. Aber jeder hat ja zum Glück seine eigenen Vorlieben und seinen eigenen Geschmack. 🙂

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.