Solid Sprint

Nathan Guerra, US MTB-Pro und Zwift Legende, kommentiert seit 5 Jahren live gestreamte Rennen auf der führenden Indoor-Plattform. Sein „Good morning, good evening, good afternoon“ Intro ist mittlerweile schon legendär. Zusammen mit dem amerikanischen Racing Announcer Dave Towle moderiert er derzeit die „3R & Wahoo Ride Real Race Series“, eine 7-Etappen Rennserie, bei welcher sich die Gesamtwertung nach der Gesamtzeit richtet und nicht nach Punkten oder Platzierungen. So wie bei richtigen Etappenrennen outdoor. Für Nathans Team VISION fahre ich seit Beta-Tagen auf Zwift und eigentlich sollte er wissen, dass ich alles Andere als ein Sprinter bin. Aber ich nehme es ihm nicht übel, dass er mir im vierten Rennen der Serie am 09.06.20 die Fähigkeit, einen „Solid Sprint“ abzuliefern, unterstellt hat. Letztendlich reichte es zwar wenig überraschend nur für Platz 10 von aus einer 29-köpfigen Spitzengruppe der 115 Starter, aber in der Gesamtwertung der B-Klasse hab ich mich auf Platz 4 vorgearbeitet.

Canyon Ultimate CF SL 8.0 Dauertest

Neues Bike im Dauertest, ein Canyon Ultimate CF SL 8.0. Back to the roots: ein Rennrad mit Carbon-Rahmen und kompletter Ultegra R8000 Ausstattung, aber mit Felgenbremsen und manueller Schaltung. Technisch also nicht „up to date“ aber dafür in Größe M mit bescheidenen 7,15kg aus dem Karton (anstatt angegebener 7,00kg) und einem Kampfpreis von 2.299,- EUR. Zusätzlich hab ich mir noch den Canyon Garmin Mount (34,95 EUR) für den Radcomputer gegönnt. Das Rad kam perfekt verpackt und weitgehend vorinstalliert, lediglich das Vorderrad, die Sattelstütze und der Lenker mussten montiert werden. Das dauerte vom Öffnen der Verpackung bis zum fahrfertigen Rad ca. 1 Stunde. Die Ausrichtung der Vorderradbremse musste geringfügig korrigiert werden, der Rest war einwandfrei voreingestellt. Den originalen Fizik Antares R5 Sattel (230g) hab ich gleich gegen meinen Lieblingssattel Tune Speedneedle (98g) getauscht, zwei Veltec Flaschenhalter und Favero Assioma Pedale montiert. So kommt das Rad auf ein tatsächliches Gewicht von 7,4kg, sehr respektabel für ein Rad in dieser Preisklasse, wobei die Laufräder und Schläuche noch 200 – 300g Optimierungspotential aufweisen.

Einziger Kritikpunkt zur Voreinstellung: Das Ultimate ist neben dem Aeroad Canyons Race-Bike. Diese zeichnen sich üblicherweise durch eine deutliche Sattelüberhöhung aus. Leider ist der Gabelschaft des Ultimate von Werk aus (im Gegensatz zu den Fotos auf der Homepage) so lange, dass mehrere Spacer unter oder über der Vorbau-/Lenkereinheit montiert werden müssen (es sei denn man sägt den Schaft ab). Sieht nicht so gut aus, wenn man die Vorbau-/Lenkereinheit tiefer setzen möchte und dafür einen Spacerturm darüber aufbaut…

Nachdem ich nun seit gut 3 Jahren outdoor mit Scheibenbremsen und elektronischer Schaltung auf dem Rennrad unterwegs bin, war ich natürlich gespannt, wie sich der „Rückschritt“ auf Felgenbremsen und manueller Schaltung in der Praxis auswirkt. Fazit nach der ersten Fahrt über 69km und 711hm durch das hügelige Allgäuer Oberland: Scheibe bremst besser, aber wenn man nicht im Regen oder Pässe bergab fährt, tun es die Felgenbremsen fast genauso gut und an das manuelle Schalten inclusive manueller Nachstellung des Umwerfers gewöhnt man sich auch sehr schnell wieder. Wer aufs Geld und aufs Gewicht schaut, für den sind Felgenbremsen und manuelle Schaltung also nach wie vor eine sehr interessante Option.

Das „Old-School“ Canyon hat sich übrigens gleich bei der ersten Ausfahrt einen KOM geholt (wenn auch mit leichter Rückenwind-Unterstützung). und damit seine Daseinsberechtigung mehr als unterstrichen. 🙂

GTA 5 Bike Mod

Indoor Biking hat ein neues Level erreicht: Mit einer Modifizierung kann man in dem Online Game Grand Theft Auto 5 (GTA V) seinen Smart-Trainer koppeln, den Spielavatar mit eigener physikalische Kraft durch die virtuelle Welt von Los Santos pedallieren lassen und dabei allerhand aufregende Dinge erleben. Ich kannte das blutrünstige GTA Game vorher nicht, hab auch noch keine Ahnung wie es genau funktioniert, aber nach dem Abschluss eines sogenannten Prologs läuft das freie Fahren in der virtuellen Welt leidlich und ist sehr unterhaltsam. Auf jeden Fall eine willkommene Abwechslung zu Zwift und Co. 😉
Eine ausführliche Anleitung hat Shane Miller hier veröffentlicht.

Ballern statt Bollern

K1 hat den Radsport für sich entdeckt. Freut den stolzen Vater zwar, sorgt aber gleichzeitig für Schmerzen, denn der junge Herr ist fitter als der alte Sack. Keine Ahnung, ob das daran liegt, dass er sein Essen abwiegt und penibel die Kalorien ausrechnet, oder einfach daran, dass er 37 Jahre jünger ist. Egal, der Vaterttag kam gerade recht für eine gemeinsame Runde bei bestem Wetter. Auf komoot.de hatte der Erstgeborene eine interessante Runde von Dietmannsried über Mindelheim und Obergünzburg entdeckt. Überwiegend flach, aber mit ein paar üblen Rampen. Nach 3:48 h, 116 km und 1.159 hm hatte das Leiden ein Ende…

GCA Liga – Race 5

Letztes Rennen der virtuellen Rad-Bundesliga 2020. Schade, denn langsam läuft es bei mir. 🙂

3 Runden waren auf dem WM-Kurs von 2019 in Harrogate/GB zu fahren, insgesamt 42km mit 732hm und der ständige Wechsel von Bergauf- und Bergab-Passagen kam mir gelegen. Am Start der 235 Fahrer wurde ich zwar wieder nach hinten durchgereicht, aber in dem ersten langen Anstieg konnte ich mich einige Plätze vorarbeiten und meine Gruppe holte nach und nach andere Fahrer ein. Letztendlich sprang in dem bereinigten Liga-Ergebnis ein 115ter Platz heraus, mein bestes Resultat bei den 5 Liga-Rennen. Punkte gab es aber leider nur für die ersten 75…

Mein Team-Kollege Patrick Rieger finishte diesmal auf Rang 52. In der Gesamtwertung konnten wir uns auf Platz 13 von 39 Teams platzieren. Rieger wurde Gesamt-23ter von 441 gemeldeten Fahrern. Der Bund Deutscher Radfahrer zeigte sich sehr zufrieden mit dem Format und plant weitere Events solange keine Rennen Outdoor möglich sind.

Zwift ohne UI

Weiteres Event im Zwift Jarvis Club heute, dem exklusiven Kreis spezieller Zwift User, in welchem neue Features getestet werden: Ein „Sight and Sounds Tour“ Group-Ride über 60 Minuten auf dem Watopia Waistband Kurs geführt von „Jarvis the Bear“. Der entpuppte sich zwar nicht als der plumpe Braunbär, der auf Watopia ab und zu von einem Baum plumpst, sondern als simples Zwift HQ Member mit zotteliger Haarpracht, darum ging es aber auch nicht.

Getestet wurde ein Screen ohne UI, d.h. auf dem Bildschirm waren nur die Fahrer und die Landschaft zu sehen. Alle Daten außer den Fahrer-Namen über den Köpfen waren ausgeblendet: keine eigenen Daten, keine Riders List, keine Leader-Boards, keine Map, nichts. Für einen Daten-Junkie wie mich zunächst sehr ungewohnt. Dass man seine Daten über die Zwift App auf dem Handy trotzdem angezeigt bekommt, habe ich erst später bemerkt.

Interessant war, dass der Group-Ride mit einer Vorgabe von 2,5 w/kg ausgeschrieben war und dass meine Gruppe, wie sich im Nachhinein herausgestellt hat, tatsächlich durchgehend im Bereich 2,5 – 3 w/kg gefahren ist. Da im Jarvis Club nur erfahrene Zwift-User unterwegs sind ein Zeichen dafür, dass man seine Leistung bei entsprechender Erfahrung auch ohne Datenanzeige relativ genau einschätzen kann.

Ebenso interessant war, dass ich mich dabei ertappt habe, viel intensiver auf die virtuelle Landschaft und die vielen Details in der Zwift-Welt zu achten, die einem ansonsten nicht auffallen.

Fazit: Ein Fahren ohne UI kann sehr entspannt sein, ideal für eine Rekom-Einheit. Gleichzeitig fände ich das fehlende UI auch für Rennen auf Zwift interessant. Durch den Umstand, dass man die Leistungswerte seiner Konkurrenten und die Zeitabstände zu anderen Fahrern nicht sehen kann, käme man echten Outdoor-Rennen ein Stück näher.

Zwift Boost Mode

Die Indoor-Plattform Zwift testet im sogenannten Jarvis Club, benannt nach der ersten Zwift-Beta-Welt, neue Features für ausgewählte User wie mich, z.B. aktuell den „Boost Mode“, eine Art zusätzliches Power-Up. Man kann dabei während eines Rennens mit seiner eigenen Leistung, die kurzzeitig entsprechend reduziert wird, eine Art Akku aufladen und diesen bei Bedarf dann später einsetzen, um seine Wattleistung für kurze Zeit um 50, 200 oder 500 Watt zu erhöhen. Welchen Boost man haben möchte, muss man vor dem Rennen festlegen und der Aufwand sowie die Dauer der Zusatzleistung unterscheiden sich. Außerdem bekommt man unterschiedliche Zusatzgewichte für die gesamte Renndauer aufgepackt. Man muss sich also bereits vor dem Rennen Gedanken machen, welche der drei Boost-Varianten die Günstigste für einen ist.

Ich habe den Boost Mode heute in einem Jarvis Club Rennen über 10 Runden auf dem Downtown Dolphin Kurs einmal ausprobiert und mich dabei für die mittlere Boost-Variante mit 200 „Extra-Watt“ für jeweils 17 Sekunden und einer Reduzierung der eigenen Leistung um 100 Watt während des Aufladens entschieden. Für das beste Ergebnis ist natürlich Ausschlag gebend, dass man den idealen Zeitpunkt für das Aufladen und für den Einsatz des Boosts wählt und das Ganze noch in Verbindung mit den üblichen Power-Ups, die einem zusätzlich wie sonst auch zur Verfügung stehen. Kognitiv doch recht anspruchsvoll, wenn man an der Pulsobergrenze herumfährt. 😉

Während des Rennens habe ich dann festgestellt, dass es relativ einfach ist, im Flachen während eines Windschatten-Power-Ups den Boost aufzuladen und dass der Boost im Zusammenspiel mit einem Feder- oder Aero-Power-Up besonders wirkungsvoll ist. Demnach habe ich mir einen Aero-Power-Up, den ich bei der 6ten oder 7ten Zieldurchfahrt bekommen habe, aufgespart, die Maximalanzahl von zwei 200 Watt-Boosts bis zur letzten Runde aufgeladen und alles auf dem letzten Kilometer ausgelöst, was dann für Platz 2 in der B-Kategorie gereicht hat. 🙂

Fazit: „Echte“ Rennfahrer werden dem Boost Mode nichts abgewinnen, weil er ein taktisches Moment hinzufügt, dass es bei Outdoor-Rennen nicht gibt. Persönlich gefällt mit der Boost Mode jedoch ganz gut, weil damit nicht nur die reine w/kg-Leistung zählt, sondern auch geistige Fähigkeiten unter Maximalbelastung gefragt sind. Ich bin mir nicht sicher, ob ich diese Herausforderung in jedem Rennen auf Zwift haben möchte, aber gelegentlich auf jeden Fall.

GCA Liga – Race 4

Rennen 4 der virtuellen Rad-Bundesliga: 3 Runden auf dem flachen Wüstenkurs Tick Tock über 53km und 166hm und wieder dauerte es nur nicht lange, bis sich vor mir das verdammte Loch zum Hauptfeld auftat und ich mich in einer gleichmäßig rollenden Gruppe von ca. 20 Fahrern wieder fand, darunter einige Namen, die mir schon aus den vorherigen Rennen geläufig waren. Bei der ersten Zieldurchfahrt ergatterte ich ein Aero-Power-Up und sparte es mir natürlich für den Schlusssprint auf. Das Power-Up verhalf mir dann auch tatsächlich zum 2. Platz im Sprint unserer Gruppe und Platz 190 von 273 Startern insgesamt. Im bereinigten Liga-Ergebnis bedeutete das Platz 173.
Meine Teamkollegen Klaus Näher und Patrick Rieger finishten im Sprint der 70-köpfigen Spitzengruppe auf Rang 23 und 47. RSC-Schriftführer Andreas Barmettler wurde nach einem Internetausfall auf Rang 188 klassiert und in der Teamwertung liegt der RSC AUTO BROSCH Kempten vor dem letzten Rennen auf Platz 11 von 29 Mannschaften.

GCA Liga – Race 3

Das dritte Rennen der virtuellen Rad-Bundesliga wurde am 03.05.20 auf dem „Tour of Fire and Ice“ Kurs hinauf zur Alpe du Zwift ausgetragen. Wer wie ich gedacht hatte, hier würden einige in Anbetracht der 1.186hm auf 28km gar nicht erst antreten, sah sich getäuscht: 345 Starter in der Männerkonkurrenz bedeutete neuer Teilnehmerrekord. Und wer wie ich gehofft hatte, es würde in Anbetracht des 12km langen Schlussanstiegs mit über 1.000hm zumindest auf den ersten Kilometern gemächlich losgehen, sah sich erst recht getäuscht: Es wurde losgeballert wie nie zuvor und bevor ich richtig eingeklickt hatte, war ich schon in das letzte Zehntel des Fahrerfelds hinaus befördert. So richtig frisch fühlten sich meine Beine auch nicht an und der lange Weg hinauf ins Ziel war ein zähes Bergzeitfahren, auf dem ich aber wenigstens ein paar Plätze gutmachen konnte und als 259ter ins Ziel kam. Im bereinigten Liga-Ergebnis war ich dann 222ter. Gewonnen hat der ehemalige Ruderweltmeister Jason Osborne (Team Rheinhessen) mit beachtlichen 5,8w/kg im Durchschnitt vor MTB-Profi Ben Zwiehoff und dem Schweden Erik Bergstrom Frisk (Bike Aid). Meine Teamkollegen Klaus Näher und Patrick Rieger hatten auch mit dem Anstieg zu kämpfen und finishten auf Rang 57 und 68. Patrick liegt in der Gesamtwertung jetzt auf Platz 10 und der RSC AUTO BROSCH Kempten auf Platz 6.