GTA 5 Bike Mod

Indoor Biking hat ein neues Level erreicht: Mit einer Modifizierung kann man in dem Online Game Grand Theft Auto 5 (GTA V) seinen Smart-Trainer koppeln, den Spielavatar mit eigener physikalische Kraft durch die virtuelle Welt von Los Santos pedallieren lassen und dabei allerhand aufregende Dinge erleben. Ich kannte das blutrünstige GTA Game vorher nicht, hab auch noch keine Ahnung wie es genau funktioniert, aber nach dem Abschluss eines sogenannten Prologs läuft das freie Fahren in der virtuellen Welt leidlich und ist sehr unterhaltsam. Auf jeden Fall eine willkommene Abwechslung zu Zwift und Co. 😉
Eine ausführliche Anleitung hat Shane Miller hier veröffentlicht.

GCA Liga – Race 5

Letztes Rennen der virtuellen Rad-Bundesliga 2020. Schade, denn langsam läuft es bei mir. 🙂

3 Runden waren auf dem WM-Kurs von 2019 in Harrogate/GB zu fahren, insgesamt 42km mit 732hm und der ständige Wechsel von Bergauf- und Bergab-Passagen kam mir gelegen. Am Start der 235 Fahrer wurde ich zwar wieder nach hinten durchgereicht, aber in dem ersten langen Anstieg konnte ich mich einige Plätze vorarbeiten und meine Gruppe holte nach und nach andere Fahrer ein. Letztendlich sprang in dem bereinigten Liga-Ergebnis ein 115ter Platz heraus, mein bestes Resultat bei den 5 Liga-Rennen. Punkte gab es aber leider nur für die ersten 75…

Mein Team-Kollege Patrick Rieger finishte diesmal auf Rang 52. In der Gesamtwertung konnten wir uns auf Platz 13 von 39 Teams platzieren. Rieger wurde Gesamt-23ter von 441 gemeldeten Fahrern. Der Bund Deutscher Radfahrer zeigte sich sehr zufrieden mit dem Format und plant weitere Events solange keine Rennen Outdoor möglich sind.

Zwift ohne UI

Weiteres Event im Zwift Jarvis Club heute, dem exklusiven Kreis spezieller Zwift User, in welchem neue Features getestet werden: Ein „Sight and Sounds Tour“ Group-Ride über 60 Minuten auf dem Watopia Waistband Kurs geführt von „Jarvis the Bear“. Der entpuppte sich zwar nicht als der plumpe Braunbär, der auf Watopia ab und zu von einem Baum plumpst, sondern als simples Zwift HQ Member mit zotteliger Haarpracht, darum ging es aber auch nicht.

Getestet wurde ein Screen ohne UI, d.h. auf dem Bildschirm waren nur die Fahrer und die Landschaft zu sehen. Alle Daten außer den Fahrer-Namen über den Köpfen waren ausgeblendet: keine eigenen Daten, keine Riders List, keine Leader-Boards, keine Map, nichts. Für einen Daten-Junkie wie mich zunächst sehr ungewohnt. Dass man seine Daten über die Zwift App auf dem Handy trotzdem angezeigt bekommt, habe ich erst später bemerkt.

Interessant war, dass der Group-Ride mit einer Vorgabe von 2,5 w/kg ausgeschrieben war und dass meine Gruppe, wie sich im Nachhinein herausgestellt hat, tatsächlich durchgehend im Bereich 2,5 – 3 w/kg gefahren ist. Da im Jarvis Club nur erfahrene Zwift-User unterwegs sind ein Zeichen dafür, dass man seine Leistung bei entsprechender Erfahrung auch ohne Datenanzeige relativ genau einschätzen kann.

Ebenso interessant war, dass ich mich dabei ertappt habe, viel intensiver auf die virtuelle Landschaft und die vielen Details in der Zwift-Welt zu achten, die einem ansonsten nicht auffallen.

Fazit: Ein Fahren ohne UI kann sehr entspannt sein, ideal für eine Rekom-Einheit. Gleichzeitig fände ich das fehlende UI auch für Rennen auf Zwift interessant. Durch den Umstand, dass man die Leistungswerte seiner Konkurrenten und die Zeitabstände zu anderen Fahrern nicht sehen kann, käme man echten Outdoor-Rennen ein Stück näher.

Zwift Boost Mode

Die Indoor-Plattform Zwift testet im sogenannten Jarvis Club, benannt nach der ersten Zwift-Beta-Welt, neue Features für ausgewählte User wie mich, z.B. aktuell den „Boost Mode“, eine Art zusätzliches Power-Up. Man kann dabei während eines Rennens mit seiner eigenen Leistung, die kurzzeitig entsprechend reduziert wird, eine Art Akku aufladen und diesen bei Bedarf dann später einsetzen, um seine Wattleistung für kurze Zeit um 50, 200 oder 500 Watt zu erhöhen. Welchen Boost man haben möchte, muss man vor dem Rennen festlegen und der Aufwand sowie die Dauer der Zusatzleistung unterscheiden sich. Außerdem bekommt man unterschiedliche Zusatzgewichte für die gesamte Renndauer aufgepackt. Man muss sich also bereits vor dem Rennen Gedanken machen, welche der drei Boost-Varianten die Günstigste für einen ist.

Ich habe den Boost Mode heute in einem Jarvis Club Rennen über 10 Runden auf dem Downtown Dolphin Kurs einmal ausprobiert und mich dabei für die mittlere Boost-Variante mit 200 „Extra-Watt“ für jeweils 17 Sekunden und einer Reduzierung der eigenen Leistung um 100 Watt während des Aufladens entschieden. Für das beste Ergebnis ist natürlich Ausschlag gebend, dass man den idealen Zeitpunkt für das Aufladen und für den Einsatz des Boosts wählt und das Ganze noch in Verbindung mit den üblichen Power-Ups, die einem zusätzlich wie sonst auch zur Verfügung stehen. Kognitiv doch recht anspruchsvoll, wenn man an der Pulsobergrenze herumfährt. 😉

Während des Rennens habe ich dann festgestellt, dass es relativ einfach ist, im Flachen während eines Windschatten-Power-Ups den Boost aufzuladen und dass der Boost im Zusammenspiel mit einem Feder- oder Aero-Power-Up besonders wirkungsvoll ist. Demnach habe ich mir einen Aero-Power-Up, den ich bei der 6ten oder 7ten Zieldurchfahrt bekommen habe, aufgespart, die Maximalanzahl von zwei 200 Watt-Boosts bis zur letzten Runde aufgeladen und alles auf dem letzten Kilometer ausgelöst, was dann für Platz 2 in der B-Kategorie gereicht hat. 🙂

Fazit: „Echte“ Rennfahrer werden dem Boost Mode nichts abgewinnen, weil er ein taktisches Moment hinzufügt, dass es bei Outdoor-Rennen nicht gibt. Persönlich gefällt mit der Boost Mode jedoch ganz gut, weil damit nicht nur die reine w/kg-Leistung zählt, sondern auch geistige Fähigkeiten unter Maximalbelastung gefragt sind. Ich bin mir nicht sicher, ob ich diese Herausforderung in jedem Rennen auf Zwift haben möchte, aber gelegentlich auf jeden Fall.

GCA Liga – Race 4

Rennen 4 der virtuellen Rad-Bundesliga: 3 Runden auf dem flachen Wüstenkurs Tick Tock über 53km und 166hm und wieder dauerte es nur nicht lange, bis sich vor mir das verdammte Loch zum Hauptfeld auftat und ich mich in einer gleichmäßig rollenden Gruppe von ca. 20 Fahrern wieder fand, darunter einige Namen, die mir schon aus den vorherigen Rennen geläufig waren. Bei der ersten Zieldurchfahrt ergatterte ich ein Aero-Power-Up und sparte es mir natürlich für den Schlusssprint auf. Das Power-Up verhalf mir dann auch tatsächlich zum 2. Platz im Sprint unserer Gruppe und Platz 190 von 273 Startern insgesamt. Im bereinigten Liga-Ergebnis bedeutete das Platz 173.
Meine Teamkollegen Klaus Näher und Patrick Rieger finishten im Sprint der 70-köpfigen Spitzengruppe auf Rang 23 und 47. RSC-Schriftführer Andreas Barmettler wurde nach einem Internetausfall auf Rang 188 klassiert und in der Teamwertung liegt der RSC AUTO BROSCH Kempten vor dem letzten Rennen auf Platz 11 von 29 Mannschaften.

GCA Liga – Race 3

Das dritte Rennen der virtuellen Rad-Bundesliga wurde am 03.05.20 auf dem „Tour of Fire and Ice“ Kurs hinauf zur Alpe du Zwift ausgetragen. Wer wie ich gedacht hatte, hier würden einige in Anbetracht der 1.186hm auf 28km gar nicht erst antreten, sah sich getäuscht: 345 Starter in der Männerkonkurrenz bedeutete neuer Teilnehmerrekord. Und wer wie ich gehofft hatte, es würde in Anbetracht des 12km langen Schlussanstiegs mit über 1.000hm zumindest auf den ersten Kilometern gemächlich losgehen, sah sich erst recht getäuscht: Es wurde losgeballert wie nie zuvor und bevor ich richtig eingeklickt hatte, war ich schon in das letzte Zehntel des Fahrerfelds hinaus befördert. So richtig frisch fühlten sich meine Beine auch nicht an und der lange Weg hinauf ins Ziel war ein zähes Bergzeitfahren, auf dem ich aber wenigstens ein paar Plätze gutmachen konnte und als 259ter ins Ziel kam. Im bereinigten Liga-Ergebnis war ich dann 222ter. Gewonnen hat der ehemalige Ruderweltmeister Jason Osborne (Team Rheinhessen) mit beachtlichen 5,8w/kg im Durchschnitt vor MTB-Profi Ben Zwiehoff und dem Schweden Erik Bergstrom Frisk (Bike Aid). Meine Teamkollegen Klaus Näher und Patrick Rieger hatten auch mit dem Anstieg zu kämpfen und finishten auf Rang 57 und 68. Patrick liegt in der Gesamtwertung jetzt auf Platz 10 und der RSC AUTO BROSCH Kempten auf Platz 6.

Skoda Velotour E-Race

Auch der Radklassiker Eschborn-Frankfurt am heutigen 1. Mai musste abgesagt werden. Als kleinen Ersatz haben die Veranstalter kurzfristig ein Indoor-Rennen über einen 40km langen Original-Streckenabschnitt auf Rouvy organisiert. Rouvy ist eine Alternative zu Zwift, nur fährt man hier Videos auf echten Strecken ab und nicht in einer Computergrafik-Welt. Zusätzlich werden computeranimierte Avatare anderer Fahrer in das Video eingeblendet. Optisch bei weitem nicht so schön anzusehen wie auf Zwift, aber wenigstens hat man nicht das Gefühl, alleine zu sein.

Das Skoda Velotour E-Race wurde groß beworben und auch in die vierstündige Live-Sendung des Hessischen Rundfunks im TV als Ersatz für die Übertragung des abgesagten Profi-Rennens eingebunden mit Pascal Ackermann (BORA – hansgrohe) als Zugpferd. Die Teilnehmerzahl war auf 1.500 Starter begrenzt und es war ausgebucht. Ich bin zuvor schon ab und zu auf Rouvy gefahren und war gespannt, wie die Software bei dieser großen Teilnehmeranzahl performt.

Und es funktionierte besser als gedacht. Das Video lief flüssig und die Widerstandsänderungen am Smart-Trainer passten zum Video. Ab und zu kamen ein paar Avatare aus dem Nichts oder verschwanden plötzlich, aber das war es auch schon an Bugs. Leider ist das Windschattenfahren auf Rouvy noch nicht implementiert, d. h. jedes Rennen ist ein Einzelzeitfahren mit Gegnern in Echtzeit. Der Trainerwiderstand lässt sich nicht regulieren. 10% Steigung im Video fühlen sich an wie 10%.

Am Ende jeder Einheit gibt es eine schöne und sehr umfangreiche Auswertung auf der Rouvy Webseite.

Gewonnen hat Damiano Cima, Profi bei Gazprom – RusVelo. Ich kam mit knapp 10 Minuten Rückstand auf Platz 124 an, hab mir aber Körner für das morgige Bundesliga-Rennen auf die Alpe du Zwift gespart.

CVRcade World Cup Season 2

Letzte Woche ist die 2. Saison des CVRcade World Cups gestartet. Über die erste Saison habe ich hier bereits berichtet. Ergänzend kann ich entgegen der Behauptung von Kritikern versichern: Die ausgelobten Preisgelder wurden tatsächlich ausbezahlt. 🙂


Die Zwift-Alternative CVRcade wird ständig weiterentwickelt: verbesserte Grafik, neue Strecken und neue Funktionen. Nach wie vor ist die Nutzung kostenlos, nur wer am World Cup teilnehmen will muss einen „Event-Pass“ lösen, der monatlich knapp 15 US-Dollar kostet. In Anbetracht der nun ausgelobten Preisgelder und des überschaubaren Teilnehmerfelds dürfte man die Kosten dafür aber in jedem Fall wieder reinholen. Ich bin jedenfalls bereits schon nach der ersten von 8 Wochen bereits im „Plus“.


Die zweite Saison läuft über 8 Wochen und besteht aus drei voneinander unabhängigen Wettbewerben:


Jeden Dienstag wird der Solo-Cup ausgefahren, ein Wettbewerb für Einzelfahrer. In vier Zeitzonen gibt es wöchentlich und im Finale folgende Preisgelder:

Jeden Donnerstag wird der Derny-Cup ausgefahren. Hier starten Teams aus 2 Personen, einer fährt auf der Rolle, der andere steuert seinen Avatar per Tastatur wie in einem Computer-Spiel und die Punkte werden addiert. Hier sind folgende Preisgelder ausgelobt:

Der eigentliche World Cup ist diesmal ein Team-Wettbewerb, der jeden Samstag Abend ausgefahren wird. Ein Team besteht aus bis zu 6 Fahrern. 4 Fahrer können jeweils an den Start gehen, die Punkte der besten drei zählen, wobei die Punkte des jeweiligen Team-Captains 1,5x zählen. In diesem Wettbewerb gibt es folgende Preisgelder:

Alle Rennen werden auf Mixer live übertragen und moderiert.

In der ersten Woche konnte ich den Solo-Cup in der Zone L für mich entscheiden (30 US-Dollar), im Derny-Cup wurde ich mit Team-Kollege Homer Thompson Dritter (10 US-Dollar) und im Team World-Cup mit Homer Thompson und Jonathan Giron Zweiter (125 US-Dollar). Die Preisgelder werden in meinem Team (Cognition) zwar geteilt, sind aber für jeweils 1 Stunde Rolle fahren trotzdem und deshalb ganz ordentlich und einzigartig unter allen Indoor-Wettbewerben.

Ich kann CVRcade nur für jeden Indoor-Fahrer empfehlen. Es bedarf etwas mehr Aufwand für die Eingewöhnung als Zwift, aber es lohnt sich!

CVRcade World Cup

Die Zwift-Alternative CVRcade, über deren Closed Beta ich bereits berichtet habe, fristet nach wie vor ein Nischendarsein. Zu Unrecht. Mittlerweile ist die Software im Open Beta-Stadium für PC und Mac verfügbar, d.h. jeder kann sie downloaden und derzeit noch kostenlos nutzen. Als Trainingsplattform finde ich sie relativ uninteressant, als E-Sport-Plattform dagegen hoch spannend.

Anfang Oktober 2019 begann der erste CVR World Cup für jedermann, einer Rennserie mit einem Preisgeld von insgesamt 25.000 US Dollar. Nach einer kostenlosen Registrierung konnte man Dienstags, Donnerstags und Samstags an sogenannten Omniums teilnehmen, einer Serie aus 4 oder 5 kurzen Rennen auf verschiedenen Kursen mit verschiedenen Schwierigkeitsgraden und einer Gesamtdauer von ca. 1 Stunde. Für die Platzierung gab es Punkte, dazu Bonus-Punkte fürs Streamen, denn die Rennen wurden live auf der CVR World Cup Mixer-Seite übertragen und moderiert. Die besten sechs Rennen aus einer vier-wöchigen „Open-Session“ zählten für die daran anschließende „Bracket Session“: die zwei Punktbesten erhielten Wildcards, die nächsten 28 Bestplatzierten fuhren in sieben Omniums zu je vier Fahrern um den Einzug ins Viertelfinale.

In der Open-Session konnte ich mich auf Rang 5 platziert und war damit als Nummer 1 in meinem Bracket Session Omnium gesetzt. Eine Mitstreiterin konnte verletzungsbedingt leider nicht antreten und so traf ich am vergangenen Donnerstag auf Karl-Axel Zander und Jonathan Giron, beide bekannte Racer auf Zwift. Mit 4 glücklichen Siegen in 5 Rennen gelang mir der Einzug ins Viertelfinale.

CVRcade World Cup Bracketed Session Tournament – Zone L Full Highlights

It doesn't get much closer than this! Jonathan Giron, Karl Axel Zander and Sebastian Kuhn putting on a show in the Zone L of the CVRcade World Cup.Download CVRcade today at www.cvrcade.com 🚴‍♂️🎮

Gepostet von CVRcade am Donnerstag, 28. November 2019

Als viertbester der Vorrunde landete ich allerdings in einer extrem starken Gruppe mit Casey Schumm, Peter Castrop und Kyla Laguna. Im ersten und zweiten Rennen stürzten meine Konkurrenten nach einander, so dass ich mir eine komfortable Führung sichern und mit einem dritten Platz im dritten und letzten Rennen den Einzug ins eine Stunde später ausfetragene Halbfinale sichern konnte.

Dort schienen meine Chancen nach drei Stürzen im ersten Rennen und einem vierten und letzten Platz zunächst aussichtslos und ich musste im zweiten Rennen alles riskieren. Meine Konkurrenten Casey Schumm, Quentijn Mulleneers und Timothy Termont war sich uneinig und der Laufsieg brachte mich wieder ins Spiel. Ein Herzschlagfinale mit einem überaus glücklichen Sieg im dritten Rennen spülte mich dann doch noch unerwartet und unverdient ins Finale der letzten vier.

Nach den zwei vorausgegangenen Omniums und nur 15 Minuten Pause war ich jetzt aber ziemlich platt und wurde in den ersten beiden Rennen nur vierter und dritter. Mit einem Sieg im letzten Rennen konnte ich mich aber letztendlich noch auf Platz 2 hinter Tim Fulford und vor Casey Schumm und Niels Heldens schieben. Damit hätte ich vorher nie gerechnet und nebenbei brachte das noch 1.500 US Dollar Preisgeld für die Team-Kasse ein. Nicht schlecht für ein paar Stunden Rolle fahren. Nächstes Wochenende geht es ins „Grand Finale“. Dort warten nach zwei Renntagen sage und schreibe 5.000 US Dollar auf den Sieger.

Wer sich die 7 Stunden der Finalläufe komplett ansehen will:

Ingo Reichart Sieger der Deutschen Meisterschaft auf Zwift 2019

Ingo Reichart vom RSC AUTO BROSCH Kempten gewann am 24.02.2019 die Deutschen Meisterschaften auf Zwift. Noch ist das Ergebnis inoffiziell, aber der Zieleinlauf war eindeutig und Ingo hat eine BDR-Lizenz für 2019. Bereitwillig stellte sich der 44-jährige Allgäuer nach dem Rennen den Fragen des 2. RSC-Vorstands:

Ingo, herzlichen Glückwunsch zum Deutschen Meistertitel auf Zwift. Du galtest unter den Insidern als einer der Top-Favoriten, aber man wusste nicht, wer alles mitfahren wird, insbesondere nachdem das Rennen erstmals vom BDR als offizielles Lizenzrennen ausgeschrieben wurde. Mit welchen Erwartungen bis Du an den Start gegangen?
Meine Erwartungen waren schon ambitioniert, aber bei allen Zwiftrennen gibt es immer wieder „last-minute-Meldungen“ von Fahrern, die man im Vorfeld nicht auf dem Zettel hat. Zudem gehen bei einem solchen Event natürlich auch immer einige Top-Fahrer an den Start, die in der „Outdoorwelt“ starke Ergebnisse aufweisen. Die letzten Wochen habe ich aber dazu genutzt, um in zahlreichen virtuellen Rennen an meinem Sprint zu arbeiten und um das taktische Fahren auf Zwift zu verbessern. Auch hilft einem generell die eine oder andere „Kniebeugen-Session“. 😉 Meine guten Ergebnisse aus den letzten Zwiftrennen gaben mir dann auch ein ordentliches Vertrauen in meine Stärken.

Wie ist das Rennen für Dich gelaufen?
Richtig gut. Ich konnte wie geplant an den vier nicht so langen Anstiegen mit den starken Fahrern mithalten und habe mich äußerst kraftsparend auf den Zwischenpassagen zurückgehalten. Ca. 2 km vor dem Ziel habe ich die letzten Attacken von Philipp Diegner mit den anderen 3 übrig gebliebenen Fahrern entschärfen können. Die Rechnung ging also auf und so konnte ich alles in den entscheidenden Sprint reinlegen. BÄM!

Es waren einige prominente Strassenfahrer am Start, die vorher kaum oder gar keine Rennen auf Zwift gefahren sind, wie z.B. der Top-Bundesligafahrer Marcel Fischer. Die konnten sich aber nicht ganz vorne platzieren. Was ist der Unterschied zwischen einem Strassenrennen und einem Zwiftrennen?
Da gibt es wirklich sehr viele Unterschiede und Feinheiten, auf die man bei einem virtuellen Zwiftrennen achten muss. Dies beginnt bei der Wahl der entsprechenden Radtypen (z.B. Aeroräder) wie auch der Wahl von Läufrädern, die einem bei schnellen Kursen Aero- und damit Zeitvorteile bieten. Diese musst du dir aber über fleißiges, virtuelles Kilometersammeln quasi erst als Bonus erarbeiten. Hinzu kommt dann auch der enorme „Draft“ (Windschatteneffekt), den vor allem ein sehr großes Fahrerfeld bewirkt. Manche Rennen wie z.B. die DM auf Zwift werden sogar unter der Vorgabe von „Doppeldraft“ gefahren, so dass der Effekt hier nochmals unvergleichlich höher ist. Hier heißt es mitschwimmen und ja nicht aus der Gruppe fallen, um ein aufreibendes „Lochzufahren“ zu vermeiden. Einen weiteren (bei vielen Fahrern umstrittener) Zusatzfaktor stellen schließlich die sog. Powerups dar. Dies sind z. B. für ca. 15-25 Sek. aktivierbare „Boosts“, welche im Gegensatz zur „Straßenwelt“ die in der virtuellen Welt nicht zu simulierenden Fahrpositionen ausgleichen sollen. So ist es etwa beim Anfahren eines Sprints auf Zwift nahezu unmöglich am Hinterrad eines starken Fahrers langanhaltend positionsstabil zu lutschen. Diese Boosts musst du also klug einsetzen und mit ihnen „haushalten“. Beim Sprint um die DM hatten alle fünf Fahrer zum Schluß noch einen finalen „Aero-Boost“ übrig und setzten diesen natürlich gezielt ein.

Was ist Dein sportlicher Background, seit wann fährst Du Rad und wie hast Du Dich auf die Meisterschaft vorbereitet?
Ich selbst bin mit der Leichtathletik groß geworden und habe mich dann mit 17 Jahren aufs Speerwerfen bis in den deutschen Jugendkader spezialisiert. Im Winter habe ich mir mit meinen Langlaufskiern auf dem Sportplatz um die Ecke die Skatingspur selbst gelegt und viele Jahre in der Halle Handball gespielt. Die Liebe zum Radfahren habe ich entdeckt, als ich zum 13. Geburtstag mein erstes Rennrad bekommen habe. Damals ein weiß-gelb-schwarzes Raleigh-Bike mit Rasterschaltung am Unterrohr. Von da an war die Liebe zum Radsport voll entfacht. Als Vorbereitung auf die DM bin ich viele Zwiftrennen auf den unterschiedlichsten Terrains und Distanzen gefahren (zwischen. 20 und 100 km). Sich dabei die Taktik von unerreichbaren Überfliegern (wie z.B. Leandro Messineo) abzuschauen ist echt faszinierend. Zum Schluss ist es vor allem aber auch die Bereitschaft, sich „indoor quälen“ zu können. Hierzu motivieren aus meiner Sicht all die möglichst realitätsgetreuen Bedingungen auf Zwift. 

Mit welchem technischen Setup bist Du auf Zwift unterwegs?
Ich fahre auf einem Smarttrainer Wahoo Kickr der 4. Gen. von 2018. Auf diesem habe ich einen soliden Alurahmen mit einer 2-fach Schaltung vorne und einer 11-fach-Schaltung hinten montiert. Als Übersetzung fahre ich 53/39 vorne und 11-25 hinten.

Du startest auf Zwift für das Team Kirchmair Cycling des Coaches Stefan Kirchmair aus Österreich. Wie kam es dazu?
Über unseren RSC-Teamkollegen Klaus Näher wurde ich von Stefan Kirchmair angesprochen. Stefan ist für die Zwift-Community äußerst stark engagiert und hat es geschafft, in kurzer Zeit eine doch sehr schlagkräftige Truppe aufzubauen. Als professionelles Features ist hier z. B. die Kommunikation der Team-Fahrer über einen Discord-Chat (Team-Funk) zu nennen. Da merkst du dann erst, was alles machbar ist. Irre. 

Was sind Deine sportlichen Ziele in 2019?
Auf jeden Fall mit dem RSC-Jedermann-Team bei einigen Rennen an den Start zu gehen, evtl. ein paar gute Ergebnisse einzufahren und einfach mit dem Team jede Menge Spaß haben. Auch die Meldung an dem einen oder anderen Masters-Lizenzrennen steht ganz klar in meinen Büchern.

Wie stehts Du zum Thema e-Sports? Da tut sich ja derzeit einiges. Sogar der BDR hat das Indoor-Radfahren kürzlich als Potential für sich entdeckt und es gibt erste Bestrebungen zur Kommerzialisierung mit Ligen, Preisgeldern etc. für Indoor-Wettbewerbe. Wäre das was für Dich?
Trotz meiner hohen Motivation für das Thema Indoor-Radfahren bin ich da (noch) zurückhaltend. Da es einerseits noch viele ungelöste Schwierigkeiten gibt, die Leistungen der Fahrer aufgrund zahlreicher beeinflussenden Faktoren (z.B. Größe, Gewicht, techn. Equipment, etc.) vergleichbar zu machen und andererseits das „echte Radfahren draußen“ letztlich immer nur annähernd simuliert wird, kann ich mir eine solche Professionalisierung derzeit noch nicht vorstellen. Aber die Dinge entwickeln sich und was das virtuelle Radfahren bereits heute schon zu leisten vermag, ist mehr als erstaunlich. Für den Moment aber freue ich mich einfach tierisch aufs „analoge Radieren“ auf unseren Allgäuer Straßen. 🙂

Vielen Dank Ingo und eine weiterhin erfolgreiche Saison 2019!

Ergebnisliste: https://www.zwiftpower.com/events.php?zid=142179

Live-Stream Replay: https://www.youtube.com/watch?v=iT88s5D5mH4

Update 31.03.2019: Zwift hat Ingos Leistung nicht anerkannt und stattdessen den Drittplatzierten Nico Heßlich zum Deutschen Meister gekürt. Ingo wurde aufgefordert, u.a. Leistungsnachweise von über 25 Strava-Outdoor-Segmenten mit Leistungsmesser zu erbringen über 15sec, 1min, 2min, 5min und 1Omin. Aktuell hat Ingo ca. 300 Strava-KOMs im Allgäu inne und wer hier fährt weis, wie hoch die Leistungsdichte hier ist. Er hat alle Nachweise erbracht außer einem 15sec Nachweis. So kurze Segmente gibt es hier halt nicht. Nachweise von Rennen mit Peaks von über 1450 Watt wurden nicht akzeptiert. Das soll der Grund dafür gewesen sein, dass er nicht gewertet wurde. Abgesehen davon, dass im Reglement der DM von Zwift mit keiner Silbe irgendein Segmentnachweis als Bedingung erwähnt wird, erscheint diese Vorgehensweise ziemlich willkürlich und trägt leider nicht dazu bei, dass sich Zwift als ernsthafte Plattform für E-Sports etabliert, insbesondere wenn Spaßvögel wie Herr Gregor N. nicht sanktioniert werden, der innerhalb von 2 Tagen 30kg Gewicht in seinem Zwift-Profil „verliert“ und trotzdem in den Top 25 der DM herumgeistert… :-/