6 Jahre Zwift

Seit dem 25.10.2015 bin ich Zwift-User. Schon viele Jahre vorher habe ich als Amateur in den den 80ern im Winter gelegentlich auf einer freien Rolle trainiert, aber natürlich „offline“. Ab 2012 bin ich dann auf verschiedenen Tacx Wheel-On Trainern mit PC-Anbindung die ersten Online-Rennen in der „Indoor Bike League“ gefahren.

Im Oktober 2015 habe ich Zwift entdeckt. Damals noch in der Beta-Phase und in Deutschland absolut unbekannt. Und trotz diverser Ausflüge auf andere Indoor-Plattformen wie Rouvy, CVR, RGT, Fulgaz oder Bkool bin ich dabei geblieben. 58.000km und knapp eine halbe Million Höhenmeter sind dabei zusammengekommen, obwohl ich mich keinen einzigen Zentimeter nach vorne oder nach oben bewegt habe. 😉

Laut zwiftpower.com war ich bei 503 Rennen am Start. Und bis auf zwei, bei denen mich ein Bug fehlgeleitet hat, alle gefinisht und sogar ein paar gewonnen. Besser als im echten Leben, haha. Mit 1,2 Millionen XPs, seit ewigen Zeiten auf Level 50, alle guten Rahmen und Laufrädern in der Garage und 10 Millionen Drops auf der Bank wäre es aber jetzt mal wieder Zeit für ein paar neue Gimmicks.

Zwift Mountain Massif TT

Das ist eine Serie von Uphill-Zeitfahren auf Zwift, aktuell gesponsert von der Bike-Pflegeprodukt Firma Muc-Off. Heute ein interessanter Kurs von den Jungle Start Pens bis zur Kehre 8 der Alp du Zwift, 12km mit 600hm. Interessant auch deshalb, weil die ersten 1200m auf Asphalt, dann 3.500m auf Schotter und die restlichen 7.200m wieder auf Asphalt gefahren werden. Frage also, welches Bike nehme ich? Ich habe mich für einen Bike Swap unterwegs und den Start auf einem MTB entschieden. Dadurch fiel ich zwar auf den ersten 1.200m auf Portion 39 zurück, fuhr dann aber auf der Schotterpassage wieder bis auf Position 9 der A/B-Fahrer nach vorne. Der Wechsel auf das Berg-RR kostete dann 18 Sekunden. Schwer zu sagen, ob sich der Wechsel wirklich gelohnt hat. Egal, danach lag ich auf Rang 2 in der B-Kategorie. Der Führende fuhr mit knapp 5 w/kg, war nicht auf zwiftpower gelistet und damit keine Gefahr. Sehr bald wurde ich von einem anderen B-Fahrer mit um die 4,7 w/kg überholt, der damit auf dem besten Weg war, wegen Überschreitung der Kategorielimits disqualifiziert zu werden. Das passierte dann auch tatsächlich und so würgte ich mit einer 60er Trittfrequenz im Wiegetritt den Sieg in der B-Klasse nach Hause. 🙂

Zwift ZHR Masters TT Series

Als alter Sack weit jenseits der 50 hat man auf Zwift keinen Auftrag gegen die jungen Burschen. Aber zum Glück gibt es auch einige wenige Rennen, bei denen die Klasseneinteilung nicht nach w/kg sondern nach Lebensalter erfolgt, z.B. bei den Rennen des ZHR Cycling & Running Club. Jeden Donnerstag Abend finden hier Einzelzeitfahren statt, mit einer Klasseneinteilung in 5-Jahres Schritten. Zusätzlich kann man sich auf zwiftpower.com eine spezielle Ergebnisliste ansehen, die nach dem Reglement der Britischen Veterans Time Trial Association (VTTA) erstellt wird, einer Handicap-Wertung je nach Alter des Sportlers. Neben Punk-Rock und Weingummi das Beste, was das Vereinigte Königreich je hervorgebracht hat. 🙂

Nach einer 4-wöchigen Zwift-Pause wegen bestem Outdoor-Wetter bin ich gestern beim ZHR Masters TT Series Rennen über 16km auf dem ebenen Watopia / Tempus Fugit Kurs gestartet und es lief trotz fehlender Auslastung in den letzten Wochen ganz gut. Ein solides Pacing ohne Einbruch bescherte in 22:18min Platz 6 insgesamt und Platz 3 in der VTTA-Wertung.

Wie man zufällig ein Zwift-Rennen gewinnt

Meine zwiftpower.com Statistik wies bis gestern 488 absolvierte Rennen aus und davon 27 „Siege“. Eine recht bescheidene Bilanz. Insbesondere, wenn man weis, wie die „goldenen Pokale“ zustande gekommen sind. Nämlich z.B. so wie heute bei der Kiss Racing Team / FastFitnessTips iTT series, einem Einzelzeitfahren über 18km auf dem Jungle Circuit Kurs. Am Start waren wohl insgesamt nur 11 Fahrer, 6 kamen ins Ziel und davon waren nur 3 bei zwiftpower registriert. Beste Voraussetzungen also. Und noch besser: Nur ein Konkurrent war wie ich auf einem MTB unterwegs und MTBs rollen auf diesem überwiegend nicht asphaltierten Kurs deutlich besser als Renn- oder Zeitfahrräder. Angestrengt habe ich mich trotzdem und 3 1/2 Minuten Vorsprung auf 18km muss man erst mal rausfahren. 😉 Ergebnis: Sieg Nr. 28, LOL.

Schließe die Lücke

Wenn der Schriftzug im Anstieg eines Zwift-Rennens aufpoppt, geht es ums Überleben, denn einmal abgehängt bedeutet in der Regel endgültig abgehängt. Die leidliche Erfahrung musste ich heute beim Zwift Classics-Race auf 3 Runden des Richmond UCI Reverse Kurses wieder einmal machen. Das Besondere an dem Rennen: Es wurde von der WTRL-Organisation veranstaltet und die verwendet einen eigenen Algorithmus, der möglichst gleich starke Fahrer/innen in ein Rennen platziert. D.h. die 68 Starter heute haben in früheren Rennen annähernd gleiche Leistungen erbracht. Ein interessanter Ansatz, der mir aber offensichtlich nicht entgegenkommt, denn mit den kurzzeitigen Spitzenleistungen vieler meiner Konkurrenten kann ich nicht mithalten. Deshalb poppte der „Schließe die Lücke“ Hinweis an jedem Anstieg auf und ich hatte größte Mühe, wenigstens den Anschluss an einer Verfolgergruppe zu halten. Am Ende waren 7 Mann eine gute halbe Minute vorne weg und im Sprint der 18 Verfolger blieb mir nur Platz 11 = 18ter Gesamt. Ein Gutes hat der „Schließe die Lücke“ Hinweis aber: Man fährt eine sonst kaum realisierbare Ausbelastung. Wer’s braucht.

KISS 100 Zwift Race

Die meisten Rennen auf Zwift dauern nicht länger als eine Stunde, denn mehr ist körperlich und mental nicht so einfach. Eine Ausnahme seit vielen Jahren sind die KISS 100 Rennen, organisiert von einem der ältesten Renn-Teams auf Zwift: KISS = Keep It Super Simple. Auf wechselnden Strecken werden jeden Sonntag Rennen mit um die 100km Länge in den klassischen Leistungs-Kategorien A, B, C, D ausgetragen. Wer denkt, dass es in Anbetracht der Rennlänge gemächlich zugeht, sieht sich natürlich getäuscht. Da alle Kategorien gleichzeitig starten, sorgen die A-Fahrer vom Start weg für die übliche Auslese. Dummerweise ging es heute auf dem Roule Ma Poule Kurs gleich den 3km langen Petit KOM Reverse Anstieg hoch. Da konnte ich zwar noch den Anschluss zur ersten Verfolgergruppe realisieren, aber vorne waren 30 A-Fahrer (und ein B-Fahrer) weg. In einem Anfall geistiger Umnachtung forcierte ich im zweiten Petit KOM Anstieg mit einem Feather PU das Tempo, so dass sich die Gruppe tatsächlich um einige B-Fahrer verkleinerte. Danach war ich aber schon ziemlich platt und froh, mich in der Verfolgergruppe halten zu können. In der Folge sammelten wir einige zurückgefallene Fahrer aus der Spitzengruppe ein, darunter den einzigen B-Fahrer, der später aufgab, und in der letzten Runde waren wir nur noch zu dritt als B-Fahrer. Kam mir nicht ungelegen, denn 10km vor dem Ziel machten sich trotz einverleibter 3 Gels und 3 Trinkflaschen erste Krampfanzeichen bemerkbar. Im finalen Anstieg musste ich daher meine beiden Konkurrenten ziehen lassen und mich mit Rang 3 begnügen.

Abgehängt und trotzdem Podium

Passiert IRL kaum, aber auf Zwift ist es möglich. Insbesondere wenn man eines der wenigen Master-Rennen fährt, in denen statt der üblichen w/kg basierten ABCD-Klassifizierung (wie im richtigen Leben) eine Einteilung nach Altersklassen erfolgt, z.B. bei den Master SA – Rennen. Dort fahre ich gegen 55-59-Jährige und nicht wie sonst gegen Wattmonster, die meine Söhne oder Enkel sein könnten. Allerdings starten alle Altersklassen gemeinsam und so war es nicht verwunderlich, dass ich heute bereits in der ersten von 5 Runden auf dem Watopia – Two Bridges Loop Kurs abgehängt wurde. Die erste Verfolgergruppe fuhr aber ein gleichmäßiges Tempo und so konnte ich mich darin ganz gut halten. Da sich niemand in der Gruppe anzugreifen traute, habe ich das in der letzten Runde zweimal versucht, aber niemand ging mit, bzw. ich kam nicht weit genug weg. Damit lief es wie so oft auf einen Massensprint hinaus, wo ich sowieso keinen Auftrag habe und nicht einmal noch irgendein Power-Up zur Verfügung hatte. Trotzdem reichte es am Ende für Platz 3 in der Kategorie F der 55-59-Jährigen. 🙂

Zwift MTB Rennen mit Steuerung

Der Elite Sterzo Smart ist eine Vorderradstütze, die per Bluetooth mit Zwift verbunden werden kann und eine Steuerung des Zwift-Avatars durch Lenkeinschlag ermöglicht. Gibt es seit ca. einem Jahr, aber im freien Fahren ist die Option ziemlich unspektakulär und eigentlich uninteressant. Rennen, bei welchen die Funktion aktiviert ist, sind nach wie vor die große Ausnahme. Über eine solche Ausnahme bin ich heute bei der Suche nach einer Auslastung auf der Rolle bei bescheidenem Outdoor-Wetter gestolpert: Ein BCBR MTB Race über 2 Runden auf dem Spirit Forest Kurs der neuesten Makuri Islands – Erweiterung. Zugelassen waren nur MTBs. Zwiftpower hat mich zwar aufgrund meiner schlechten Leistungen in den letzten Rennen in die Kategorie „B (Almost A)“ heruntergestuft, aber ich habe mich trotzdem in der A-Kategorie angemeldet, weil ich keine Lust auf die B-Cat Sandbagger habe. Der Start war etwas konfus, weil die B-, C- und D-Startfelder vor der A-Cat auf die Strecke gingen, aber das übersichtliche Feld der 53 Starter hat sich schnell sortiert. Wie nicht anders zu erwarten fand ich mich am Ende der A-Cat wieder, und vor mir zusätzlich diverse B- und C-Kat Fahrer. War aber letztendlich nicht von Interesse, denn ich wollte eigentlich nur wissen, was die Steuerungs-Option im Rennen bringt. Fazit: Nicht wirklich viel. Klar, man kann Kurven schneiden und angeblich auch Konkurrenten ohne Steuerungs-Option aus dem Windschatten fahren, aber tatsächlich habe ich subjektiv weder durch die Wahl der Kurven-Innenlinie noch durch das Wechseln der Spur vor anderen Fahrern konkrete Vorteile für mich feststellen können. Vielleicht war das Starterfeld aber auch zu klein. Einziger spürbarer Effekt: Es wird anspruchsvoller, denn zum stupiden Treten kommt die mentale Anforderung dazu, jeweils die optimale Fahrlinie zu wählen. An langsameren Fahren fährt man aber bei aktivierter Steuerung auch ohne Spurwechsel (automatisch) vorbei. Vielleicht sollte Zwift das deaktivieren, denn dann wären Rennen, in welchen nur Starter mit Steuerung zugelassen sind, noch interessanter.

Warum ich Zwift das ganze Jahr über abonniert habe

Ja ich weiss, Zwift ist nur ein Computerspiel, wo alle bescheissen, unrealistische Schnitte fahren und was zählt sind eh nur die echten Kilometer draußen. Interessiert mich aber nicht, denn wenn es wie heute lokale Unwetter-Warnungen mit Blitz, Donner und Hagel gibt, dann fahre ich nicht draußen, sondern auf der Rolle. Dafür ist Zwift optimal geeignet, denn es ist immer verfügbar und es gibt rund um die Uhr diverse Möglichkeiten, sich solide auszupowern. Da kam mir heute das BST Mountaingoat Einzelzeitfahren auf dem Bologna-Kurs gerade recht: 11 Kilometer mit einem 2km langen Anstieg mit durchschnittlich 10 Prozent Steigung, eine fast ideale Strecke für einen 20min FTP-Test. Optimal ausgeruht war ich zwar nicht, aber immer noch besser, als zu Hause rumzusitzen und Fußball zu schauen. 😉