Allgäu Rundfahrt 2021 – Gravel-Runde

Über die „Corona-Edition“ der Allgäu Rundfahrt 2021 habe ich hier schon berichtet. Heute ging es auf die 52km lange Gravel-Runde. Anfang und Ende sind identisch mit der Strecke des Auto Brosch Bike Marathons. Und auch sonst ist die Strecke durchaus anspruchsvoll. Der Großteil der gut 850hm wartet bereits auf der ersten Hälfte der Strecke, teilweise in Form von kurzen, steilen und grobschotterigen Anstiegen und auch einige Abfahrten sind eher für MTBs als für Gravel-Bikes geeignet. Mit allzu schmalen Reifen und einer Straßenübersetzung sollte man deshalb besser nicht unterwegs sein. Dafür verläuft der Kurs bis auf wenige Kilometer verkehrsfrei ausschließlich auf Feld- und Waldwegen und ist komplett fahrbar. Hat Spaß gemacht.

Rapha #Festive500 Tagebuch

Seit 10 Jahren gibt es die von dem britischen Radsport-Bekleidungshersteller Rapha ins Leben gerufene Herausforderung, zwischen dem 24. und dem 31. Dezember 500 km Rad zu fahren. So sehr ich alle bewundert habe, die diese Challenge in den vergangenen Jahren gemeistert haben, war sie für mich bislang uninteressant. Mehrtägige Verwandtschaftsbesuche in dieser Zeit (ohne Rad) und Schneeglätte im Allgäu liesen eine erfolgreiche Teilnahme wenig sinnvoll erscheinen. 2020 ist (wie so vieles) alles anders. Verwandschaftsbesuche fallen Corona-bedingt zum größten Teil aus und erstmals zählen heuer auch Indoor-Kilometer. Deshalb bin ich zum ersten Mal dabei.



Tag 1 – 24.12.20

Traditionell findet am Heilig Abend vormittags immer der Weihnachts-Cross des RSC Kempten statt, eine Offroad-Ausfahrt mit anschließender Stollen-, Plätzchen- und Glühweinverkostung, die bislang immer gut besucht und recht lustig war. Kontaktbeschränkungen liesen die Veranstaltung heuer aber leider nicht zu. Deshalb habe ich ein RSC Meet-Up auf Zwift organisiert: 2 Stunden auf dem Tempus Fugit Kurs. Das Chatten unterwegs mit über 20 anderen RSClern lies die Zeit schnell vorbeigehen und mit Einfahren waren die ersten 93 km im Sack.


Tag 2 – 25.12.20

Leise rieselt der Schnee(regen) im Allgäu. Kein Wetter für Luschen, deshalb auch heute wieder Rolle. Passend zum Thema war um 11.00 Uhr eine „Rapha Festive 500“ Gruppenfahrt angesetzt, aber leider nur mit 60 Minuten Dauer. Ziemlich sinnlos, wenn man in 8 Tagen das 500 Kilometerziel erreichen will. Aber man kann ja auch nach einer Gruppenfahrt noch weiterfahren. Deshalb zunächst mit knapp 2.000 anderen Zwiftern einen Teil der Petit Boucle Strecke mitgerollt und dann noch etwas verlängert. Und schwupp die nächsten 150 km im Sack.


Tag 3 – 26.12.20

Heute endlich echtes Rapha 500 Feeling: 3 Grad minus, Sonnenschein und Salzwasser-Straßen. Da musste die Gravel-Möhre raus. 2 1/2 Stunden Slalomfahren um die Volkswandergruppen (seit wann geht man eigentlich mitten auf öffentlichen Straßen spazieren?) waren dann aber auch genug und weitere 65 km im Sack.


Tag 4 – 27.12.20

Weniger Sonne, weniger Wärme, aber trockene Straßen gab es heute im Unterland. Schutzbleche wären nicht notwendig gewesen, aber sicher ist sicher. Deshalb noch mal mit der schweren, frisch geputzten Gravel-Möhre raus. Unterwegs noch einen unbekannten Fan aufgerollt, aber nach 3 Stunden Tiefkühltruhe hat es dann auch gereicht und weitere 82 km im Sack. Halbzeitbilanz: 390 km, davon 243 km indoor und 147 km outdoor.


Tag 5 – 28.12.20

Ok, dann halt wieder Rolle. 25 Runden Volcano Crit deckte knapp die fehlenden Kilometer ab. War aber eine recht zähe Angelegenheit. Egal, nochmal 111 km und durch mit der Challenge.


Tag 6 – 29.12.20

Nach der Pflicht kommt die Kür. Das kleine Zeitfenster am Abend wurde für den Zwift „Lutscher“ Kurs in Innsbruck genutzt. Zweimal den KOM hoch und weitere 33 km im Sack.


Tag 7 – 30.12.20

Heute durfte der Crosser mal wieder raus. 3 Stunden Unterland mit einer steifen Westbrise bescherten weitere 77 km.


Tag 8 – 31.12.20

Finale. Nochmal gute 2 Stunden bei 0 Grad mit dem Crosser auf den fast trockenen Straßen unterwegs und die letzten 60 km eingesackt. Damit war ich insgesamt 673 km und 5.100 hm auf dem Rad, davon an 4 Tagen 286 km und 2.398 hm outdoor und den Rest an den anderen 4 Tagen indoor. Letzteres war deutlich angenehmer. Schon das An- und Auskleiden und die Radpflege nachher dauerte bei den Outdoor-Fahrten jeweils mindestens eine halbe Stunde länger und schnell unterwegs ist man als Michelin-Männchen bei Temperaturen von höchstens 0 Grad draußen auch nicht gerade. Da lassen sich die Kilometer auf der Rolle viel schneller abspulen. Vielleicht sollten die Indoor-Kilometer für die Challenge nur halb soviel zählen, aber letztendlich ist ja nur wichtig, dass man sich überhaupt körperlich betätigt.

Allgäuer November Gravel-Bike-Runde

Wir haben den 28.11.2020, es ist knapp über 0 Grad warm und die Sonne scheint. Typisches November-Wetter im Allgäu und die ideale Zeit für eine relaxte Feierabend Gravel-Bike-Runde. Aufgrund der geringeren Geschwindigkeit friert man weniger als auf der Strasse, ist weg vom Verkehr und kann Landschaft, Luft und Sonne besser genießen. Mein Gravel-Tipp von Kempten aus ist eine gut 50 km lange Runde mit knapp 1.000 hm über Ermengerst, Eschach, Gletscher Alp, Schneiders Brotzeitstube, Rechtis, Wachters Alpe und den Niedersonthofener See: Überwiegend in der Sonne, geringer Asphaltanteil, ein paar S0-Trails und Top-Alpenpanoramen.

Dauertest CUBE NUROAD SL 2020 3.108 km – 32.405 hm

Das günstige Gravel-Bike hat sich in den vergangenen 11 Monaten bestens bewährt und den ersten guten Eindruck bestätigt. Auch nach über 3.000 km gab es keinen Grund zur Beanstandung. Der Rahmen ist stabil, die Anbauteile sind solide, die Laufräder schnurren und sind leichtgängig und Schaltung und Bremsen sind top. Ich komme auch an steilen Anstiegen gut bergauf, kann bergab bis über 50 km/h mittreten und selbst bei längerem Bremsen bergab mit Kurven gibt es keine Schleifgeräusche von den Bremsscheiben. Die einzige aber gravierende Änderung seit dem letztem Bericht war die Umrüstung auf die WTB Riddler 45mm Reifen und Tubeless nach 2.638 km.

Die Serien-Laufräder Mavic Allroad sind bereits mit einem Tubeless-Felgenband versehen, so dass ich mir nur die Mavic UST Ventile und die Schwalbe Doc Blue Milch als Abdichtungsflüssigkeit besorgen musste. Was genial war: Die WTB Riddler konnten mit einer herkömmlichen Standpumpe soweit aufgeblasen werden, dass der Reifen ohne Schlauch und Milch an den Felgenrand ploppte, d.h. es waren weder CO2-Kartuschen noch ein Kompressor zur Montage erforderlich. Milch über das Ventil einfüllen, wieder aufpumpen und fertig. Nach drei Ausfahrten waren die Reifen dicht. Mit 2 bar rollen die Reifen auf Asphalt bestens und bieten auch im leichten Gelände ausreichend Grip und Komfort. Die Umrüstung auf Tubeless kann ich absolut empfehlen, denn weniger Druck im Reifen ohne Angst vor einem Durchschlag zu haben erhöht den Fahrspass bei einem ungefederten Gravel-Bike ungemein. Mit 45mm Reifenbreite ist der Rahmen aber absolut ausgereizt. Mehr geht weder in der Gabel noch zwischen den Kettenstreben und durchgehende Schutzbleche lassen sich bei dieser Reifenbreite auch nicht mehr montieren.

Einen Schaden hatte ich beim Zubehör: An meiner Topeak Fastfuel Drybag Oberrohrtasche riss auf einer Gravel-Tour die Lasche für die Befestigung am Vorbau/Steuersatz komplett aus. Ich habe zwar anstandslos eine neue Tasche bekommen, aber vielleicht ist das Teil bauartbedingt dauerhaft nur für Fahrten auf Asphalt und nicht für Off-Road Rüttelpisten geeignet. Schade, denn die Tasche gefällt mir sehr gut. Sie ist leicht, wasserdicht und „aero“, stört nicht beim Fahren und bietet ausreichend Platz für ein Paar Riegel, Pumpe, Schutzmaske, Kleingeld etc.

Ich hab mir jetzt mal die Topeak Toploader Tasche verbaut. Die bietet zwar etwas mehr Stauraum, ist aber deutlich voluminöser und klobiger. Im Wiegetritt kann die Taschenbreite stören. Ein Regenschutz-Cover ist integriert und muss ggf. über die Tasche gestülpt werden. Die Befestigungsstraps machen dafür einen robusteren Eindruck.

Dauertest CUBE NUROAD SL 2020

Neues Bike im Dauertest ist seit Anfang Dezember 2019 ein CUBE NUROAD SL Modelljahr 2020, ein sogenanntes „Gravel-Bike“. Aktuell mit einer Laufleistung von 1.462km und 13.997hm. Der Hype um diese neue Rad-Kategorie war nicht kaufentscheidend, sondern der Umstand, dass mein Erstgeborener plötzlich vehementes Interesse an längeren, mehrtägigen Radtouren bekundet hat (was mir nicht ungelegen kommt und wofür ich bislang kein robustes Gefährt in der Garage hatte) und mir mein CUBE C62 SLT Crosser zu schade für das Wintertraining auf gesplitteten und salzgetränkten Straßen ist.

Für den bescheidenen Listenpreis von 1.699,- EUR bietet das CUBE NUROAD SL einen soliden Alu-Rahmen mit Carbon-Gabel und innenverlegten Zügen, die neue Shimano GRX-Gruppe mit mechanischer 1-fach-Schaltung, graveltaugliche Laufräder und hochwertige Newmen-Anbauteile. Da sollte auch auf längeren Touren nicht viel kaputt gehen können.

Gewogen habe ich das Teil im Auslieferungszustand ohne Pedale mit 9,85 kg in Rahmenhöhe 56. Das Mehrgewicht von ca. 2 kg gegenüber meinem Rennrad und Crosser ist beim Beschleunigen und bergauf wie nicht anders zu erwarten deutlich spürbar. Zur Gewichtsoptimierung habe ich die serienmäßigen Mavic Allroad Laufräder mit Schwalbe G-ONE Allround 40mm Reifen (v: 1.670g, h: 2.310g incl. Discs und Kassette) für das Winter-Strassentraining gegen einen Newmen Evolution SL R.25 Laufradsatz aus meinem Fundus mit Conti GP 4 Seasons in 32mm, Tubolito-Schläuchen, Shimano Dura-Ace Discs und einer Shimano XT Kassette 11-42 (v: 1.260g, h: 1.780g) getauscht und dadurch gleich mal 940g rotierende Masse eingespart. Außerdem musste der harte und breite Natural Fit Nuance Lite Sattel (360g) einem alten Selle Italia Sattel (190g) weichen. Pedale, Schutzbleche, Bike-Computer, Mini-Pumpe und eine Werkzeugbox mit Multitool, Reifenhebern, 2 Ersatzschläuchen und CO2-Adapter mit 2 Kartuschen treiben das Systemgewicht zwar trotzdem auf über 10kg, was bergauf nicht mehr als Schneckentempo zulässt, aber schließlich zählen nur Watt und nicht Schnitt oder Kilometer. 😉

Meine anfängliche Skepsis gegenüber meinem ersten Rad mit 1-fach Antrieb seit einem Tourenrad mit Sachs 3-Gang-Schaltung vor 45 Jahren hat sich schnell gelegt. Mit 40-11 tritt man ab 53 km/h zwar ins Leere, aber für hohe Geschwindigkeiten ist das Rad eh nicht konzipiert. Dafür kurbelt man mit der kleinsten Übersetzung von 40-42 fast jeden Berg locker im Sitzen hoch und mit nur einem Schalthebel muss man sich keine Gedanken mehr über die Gangkombination machen. Man schaltet einfach rauf oder runter – wie im Auto. Kleiner Nachteil sind die manchmal etwas großen Gang-Sprünge im Flachen. Die GRX-Schalt-/Bremsgriffe sind genial. Sie vermitteln ein äußerst angenehmes Griffgefühl, deutlich besser als die aktuellen Ultegra-Hebel. Das GRX-Schaltwerk weist wie die Shimano MTB-Schaltwerke einen Hebel auf, der zum Ausbau des Hinterrades gelöst wird und ansonsten die Kette schön straff hält. Bislang ist mir die Kette noch nie runter gefallen, obwohl keine Kettenführung ö. ä. verbaut ist.

Die Sitzposition auf dem NUROAD ist verglichen mit Rennrad und Crosser dank langem Steuerrohr, kurzem Vorbau und 44cm breitem Lenker (der etwas „dicker“ sein könnte) ziemlich komfortabel, aufrecht und eindeutig auf Touren ausgerichtet.

Thema Winterrad/Reiserad: Der CUBE NUROAD SL Rahmen hat Ösen für eine Schutzblechmontage am Bremssteg hinten und hinter dem Tretlager, d. h. ein hinteres Schutzblech lässt sich fest verschrauben. Die Carbon-Gabel weist aber weder ein Loch unter dem Steuerrohr noch Ösen an den Gabelscheiden auf. Wer also Schutzbleche montieren will, dem empfehle ich die schraubenlosen SKS RACEBLADE PRO XL (bis 32mm Reifenbreite) oder die SKS SPEEDROCKER (bis 42mm Reifenbreite) als schnell montierten Spritzschutz. Alternativ gibt es das CUBE NUROAD Race FE für 1.599 EUR mit Schutzblechen, Beleuchtung und Gepäckträger ab Werk, aber mit einfacherer Ausstattung und knapp 2kg schwerer.

Bislang gefällt mir das CUBE NUROAD SL recht gut. Es erscheint mir bei einem attraktiven Preis-Leistungsverhältnis sowohl als Winterrad, Gravel-Bike, einfaches Rennrad als auch Reiserad gut geeignet. Sozusagen die „eierlegende Wollmilchsau“ für jemanden, der nicht der n+1 Formel huldigt und nicht auf das letzte Gramm Gewicht schielt.